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GESCHICHTE DER ÖSTERREICHISCH-RUMÄNISCHEN GESELLSCHAFT

Die österreichischen Auslandsgesellschaften, betreut vom Dachverband »Partner aller Nationen« im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, stellen ein informelles Netzwerk der Völkerverständigung und wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Kooperation in Ergänzung zur klassischen Diplomatie der internationalen Beziehungen dar. Als erste wurde im Januar 1946 auf Betreiben der US-Besatzung die Österreichisch-Amerikanische Gesellschaft gegründet, um noch vor dem Staatsvertrag die Westorientierung Österreichs durch Care-Pakete, Sprachkurse, Vorträge und Stipendien zu unterstützen. Wenige Monate später konstituierte sich eine Österreichisch-Sowjetische Gesellschaft.


HINTERGRUND DER BILATERALEN BEZIEHUNGEN IN DER GRÜNDUNGSZEIT DER ÖSTERREICHISCH-RUMÄNISCHEN GESELLSCHAFT

Die im Vergleich zu anderen österreichischen Auslandsgesellschaften frühe Gründung der Österreichisch-Rumänischen Gesellschaft im Jahr 1951 fiel in eine kritische Zeit der Beziehungen zwischen den beiden Staaten, die Botschafter DDr. Paul Ullmann in seiner Arbeit Die Beziehungen Österreichs zur Rumänien zwischen 1945 bis 1955 (Wien, 2000) untersucht hat. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich in Bukarest auf rein privater Basis ein Österreichisches Komitee gebildet, das am Anfang sogar ohne Kontakt zu Wien operierte und etwa auch Visa erteilte (Briefköpfe und Amtssiegel mit Doppeladler wie im österreichischen Ständestaat von 1934–38). Unter seinem Leiter Stefan Krempel wurde 1947 dem ersten Politischen Vertreter Österreichs in Bukarest, Dr. Herbert Schmidt, zum Amtsantritt ein illusionsloser Bericht über die Entwicklungen der politischen Lage Rumäniens und seine Beziehung zu Österreich übergeben. Der österreichische Außenminister Dr. Karl Gruber (1945–1953) verfolgte bekanntlich einen strikten Kurs der Westorientierung, während in Rumänien die Außenministerin Ana Pauker (1947–1952) eine radikale Ostorientierung einschlug. Nach langen Mühen konnte erst 1950 ein erster österreichisch-rumänischer Handelsvertrag abgeschlossen werden. 1951 folgte auf Dr. Herbert Schmidt als Politischer Vertreter Österreichs Dr. Rudolf Baumann, der schon 1950 längere Zeit die Urlaubsvertretung in Bukarest innehatte. Er erbte das Problem der Rückerstattung (bzw. des Ersatzes) des Gesandtschaftsgebäudes. Neben den Räumlichkeiten der Politischen Vertretung Österreichs befanden sich nämlich sog. Privatwohnungen, die – wie sich später herausstellen sollte – der Observation mit Hilfe der in der Politischen Vertretung angebrachten Abhöranlagen dienten. Am 15. Oktober 1952 war der österreichische Handelsdelegierte Franz Josef Popper, ein Auslandsösterreicher, der von den rumänischen Behörden als rumänischer Staatsbürger betrachtet wurde, verschwunden. In der Folge der Aktionen der Securitate gegen die Politische Vertretung Österreichs wurde am 10. Januar 1953 die österreichische Außenhandelsstelle in Bukarest aufgelöst und in Wien sogar eine Schließung der Politischen Vertretung erwogen, aber dann aus Rücksicht auf die österreichische Exportwirtschaft doch nicht umgesetzt, wie überhaupt in den nachfolgenden Jahren den Wirtschaftsinteressen Einzelschicksale von verhafteten Mitarbeitern der Politischen Vertretung Österreichs und von wegen Spionage für eine ausländische Macht verurteilten Österreichern geopfert wurden. Beide Krisen vermochten erst 1955 gelöst zu werden, nachdem schließlich die in den rumänischen Gefängnissen einsitzenden Österreicher bzw. Mitarbeiter der österreichischen Politischen Vertretung, denen in ihren Prozessen die Abhörprotokolle ihrer Gespräche in der Politischen Vertretung vorhalten wurden, begnadigt worden waren und damit gleichzeitig die Rumänische Delegation in Wien und die österreichische Politische Vertretung in Bukarest zu Gesandtschaften umgewandelt werden konnten.


RESOLUTION DER ÖSTERREICHISCH-RUMÄNISCHEN GESELLSCHAFT NACH UNTERZEICHNUNG DES STAATSVERTRAGS 1955 UND DER DARAUF FOLGENDEN NORMALISIERUNG DER BILATERALEN BEZIEHUNGEN

Die Österreichisch-Rumänische Gesellschaft begrüßte und unterstützte mit einer Resolution des Vorstandes vom 23. Juni 1955 die Normalisierung der österreichisch-rumänischen Beziehungen:

»Wir haben in diesem Zusammenhang das Antworttelegramm des Bundeskanzlers auf die Glückwünsche des Ministerpräsidenten der Rumänischen Volksrepublik zum Abschluss des Staatsvertrags mit besonderer Freude zur Kenntnis genommen. Wir teilen voll und ganz die Auffassung des Bundeskanzlers, daß der Abschluss des Staatsvertrages die Gelegenheit bietet, eine neue Phase in den Beziehungen zwischen Österreich und Rumänien einzuleiten. Die Österreichisch-Rumänische Gesellschaft wird gemäß ihren Statuten und in Fortsetzung ihrer bisherigen Bemühungen mit verstärkten Anstrengungen für die Erweiterung und Vertiefung der wirtschaftlichen, kulturellen und sportlichen Beziehungen zu Rumänien eintreten und jede Initiative unterstützen, die diesem Ziel dient. Wir erwarten, daß den Bestrebungen unserer Gesellschaft in Zukunft die volle Unterstützung aller maßgeblichen Stellen zuteil wird. Wir sind überzeugt davon, daß die Erfüllung des Staatsvertrages und die Durchführung einer Politik der konstruktiven Neutralität einen neuen Abschnitt in der Geschichte Österreichs begründet, der unserem Volk den Weg zu einem Leben in Frieden und Wohlstand eröffnet.« (AdR/BMAA, II-pol, GZ 321.094-pol/54; zit. n. Paul Ullmann, a. a. O., 54)

Ihren Sitz hatte die Österreichisch-Rumänische Gesellschaft in dieser Zeit in Wien IV., Heumühlgasse 20; im Übrigen ging diese Adresse später in die Kunstgeschichte ein, denn am 20. Juni 1969 hatte sich dort der Wiener Aktionist Rudolf Schwarzkogler am Morgen aus dem Fenster seiner Wohnung gestürzt und war unmittelbar darauf an den erlittenen Verletzungen gestorben.


DIE ANFÄNGE DER ÖSTERREICHISCH-RUMÄNISCHEN GESELLSCHAFT

Die Österreichisch-Rumänische Gesellschaft hat sich von ihren Anfängen an, seit ihrer Gründung im Jahre 1951, wohl hauptsächlich auf kulturellem Gebiet betätigt, wenngleich sicherlich der ein Jahr zuvor abgeschlossene Handelsvertrag eine erste Grundlage für die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und Rumänien bot. So wird in der Wiener Rathauskorrespondenz bereits auf den 8. Mai 1951 eine Gedenktafelenthüllung für den rumänischen Nationaldichter Mihail Eminescu (1850–1889) durch den Wiener Verkehrsverein und die Österreichisch-Rumänische Gesellschaft datiert. Das Ehrenmal wurde an jenem Hause angebracht, wo Mihail Eminescu im Jahre 1869 gewohnt hatte (Wien II., Kollergasse 3); er hatte zwischen 1869 und 1872 in Wien Philosophie studiert. Das Vereinsregister nennt allerdings als Entstehungsdatum den 18. Oktober 1951. Aktenkundig findet sich die Konstituierung der Österreichisch-Rumänischen Gesellschaft in den Archiven des österreichischen Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten offiziell am 5. November 1951 (vgl. Ullmann, a. a. O., 90). Im Künstlerkino in Wien fand am 17. Feburar 1952 eine Gedenkveranstaltung zum rumänischen Dramatiker Ion Luca Caragiale (1852–1912) statt, bei der die Festrede der kommunistische Abgeordnete zum Nationalrat Ernst Fischer hielt (AdR/BMAA, II-pol, Rumänien 14, GZ 147.776-pol/52; vgl. ebd.); mit diesem war die rumänische Außenministerin Ana Pauker gut bekannt. In der Handschriftensammlung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek findet sich im Nachlass von Karl Heiserer eine Beilage zu einem Schreiben an den österreichischen Komponisten Joseph Marx. Karl Heiserer war Sekretär des George-Enescu-Komitees in Wien und um 1957 selbst im Vorstand der Österreichisch-Rumänischen Gesellschaft. Dabei handelt es sich um die Weiterleitung einer Einladung des rumänischen Kulturinstituts (mit Unterschrift Mihail Rosianus vom 12. April 1955, Bukarest) an Marx zu einem Konzert seine Werke in Bukarest.


DIE ÖSTERREICHISCH-RUMÄNISCHE GESELLSCHAFT UND IHRE PRÄSIDENTEN

Der erste Präsident der Österreichisch-Rumänischen Gesellschaft war Univ.-Doz. Dr. Josef Blöch. Ihm folgte am 22. Jänner 1959 Dr. Josef Bauer, der zuvor ab 1955 Vizepräsident der Gesellschaft gewesen war. Der erste Vizepräsident war Univ.-Prof. Dr. Robert Bleichsteiner, ein bedeutender Ethnologe und Anthropologe, mit Spezialgebiet der Orientalistik und Kaukasiologie. Univ.-Prof. Dr. Robert Bleichsteiner war Leiter des Museums für Völkerkunde in Wien gewesen. Seine kaukasischen Forschungen hatte er 1919 veröffentlicht, nachdem er mit völkerkundlichen und sprachwissenschaftlichen Forschungen an kaukasischen Kriegsgefangenen beauftragt gewesen war. Bei seinen beiden Aufenthalten im Kriegsgefangenenlager Eger (Nordböhmen, heute Cheb) hatte Prof. Bleichsteiner hauptsächlich Volksüberlieferungen wie Märchen, Sagen, Sprichwörter, Rätsel, Lieder und Ähnliches gesammelt. 1922 hatte er sich mit diesen Studien habilitiert. Im Übrigen wurde Prof. Bleichsteiner im selben Jahre 1951 nach Ludwig Adamovich Vizepräsident der 1945 gegründeten Österreichisch-Sowjetischen Gesellschaft.
Am 20. April 1961 wurde Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Ing. Hermann Flatscher zum Präsidenten der Österreichisch-Rumänischen Gesellschaft gewählt. Er war ordentlicher Universitätsprofessor an der Hochschule für Bodenkultur in Wien. Sein Nachfolger wurde am 10. April 1968 der Präsident der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien, Prof. Dr. Hans Sittner. Zwischen 1959 und 1969 war Doz. Dr. Carl Diem Vizepräsident der Österreichisch-Rumänischen Gesellschaft gewesen. Weitere Vizepräsidenten waren Dipl.-Ing. Alfred Schnell (ab 1958) und Prokurist Ludwig Schaffranek (ab 1970), sowie ebenso Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Ing. Hermann Flatscher (1959–1961), bevor er selbst Präsident der Österreichisch-Rumänischen Gesellschaft geworden war. Auf Prof. Dr. Hans Sittner folgte im Jahre 1977 der Präsidialvorstand des Unterrichtsministeriums Dr. Adolf März als Präsident, später der Präsident des Obersten Gerichtshofes DDr. Ludwig Heller.
Bei der Generalversammlung vom 27. Februar 1986 wurde der Abgeordnete zum Nationalrat Alfred Teschl neuer Präsident und Dkfm. Dr. Helmut Richter Vizepräsident. Im Vorstand waren u. a. Bundesminister Dr. Friedhelm Frischenschlager, der Leitende Sekretär des Österreichischen Gewerkschaftsbundes Erich Hofstetter, Generalsekretär Prof. Herbert Krejci und der Rektor der Wirtschaftsuniversität Univ.-Prof. Dr. Herbert Matis. Die Vereinsaktivitäten nahmen kontinuierlich ab, viele Vorstände traten von ihren Funktionen zurück. Dies führte sogar so weit, dass die Vereinsbehörde mit Schreiben vom 16. November 1992 die behördliche Auflösung androhte. In einer außerordentlichen Generalversammlung vom 25. Jänner 1999 im Café Landtmann kam es zum Beschluss einer Reaktivierung, letztlich allerdings ohne erkennbare Auswirkungen. Schließlich wurde anlässlich einer ordentlichen Generalversammlung in der Bank Austria in der Vorderen Zollamtsstraße 13 in Wien III. Vizebürgermeister a. D. Hans Mayer zum Präsidenten und Kaplan August Paterno zu einem der Vizepräsidenten gewählt. Am 14. Februar 2001 fand im Festsaal der Bank Austria in der Renngasse 2 in Wien I eine ordentliche Generalversammlung statt, bei der Abg. z. BR Peter Marizzi zum neuen Präsidenten gewählt wurde. Am 24. November 2004 wurde Mag. Lukas Marcel Vosicky neuer Generalsekretär.


NEUPOSITIONIERUNG

Nach gründlicher Vorbereitung hat die Österreichisch-Rumänische Gesellschaft im Rahmen einer ordentlichen Generalversammlung am 17. Mai 2006 im Hotel Hilton Plaza in Wien I neue Statuten beschlossen und einen neuen Vorstand gewählt. Neuer Präsident wurde Dr. Wolfgang Ruttenstorfer, Generaldirektor der OMV.
Nach schwierigen Jahren war damit knapp vor dem EU-Beitritt Rumäniens die Basis für ein breit gefächertes, starkes Netzwerk zum besseren Verständnis beider Länder geschaffen. Zu diesem Zweck hat sich die Österreichisch-Rumänische Gesellschaft zum Ziel gesetzt, kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Kooperationen zu fördern und auszubauen.


GENERALVERSAMMLUNG 2010

Bei der ordentlichen Generalversammlung am 15. März 2010 im Museumsquartier Wien blickte die Österreichisch-Rumänische Gesellschaft auf einen erfolgreichen Aufbau umfassender Vereinstätigkeiten der Vernetzung von Partnern und Projekten und jährlich mehr als hundert Veranstaltungseinladungen zurück. Generaldirektor Dr. Wolfgang Ruttenstorfer wurde als Präsident der Österreichisch-Rumänischen bestätigt und ein neuer, erweiterter Vorstand gewählt.
Nach dem Rücktritt von Dr. Wolfgang Ruttenstorfer als Präsident und seinem Ausscheiden aus dem Vorstand mit 1.1.2012 wurde Dr. Gerhard Roiss, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der OMV Aktiengesellschaft, vom Vorstand als neuer Präsident und damit Vorstandsmitglied kooptiert.


GENERALVERSAMMLUNG 2014

Bei der ordentlichen Generalversammlung am 6. März 2014 im MAK Wien wurde Dr. Gerhard Roiss, Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der OMV Aktiengesellschaft, zum Präsidenten gewählt und ein Vorstand durch Wahl bestätigt, der die Kontinuität einer prosperierenden Gesellschaft zum Ausdruck bringt.
Nach dem Rücktritt von Dr. Gerhard Roiss als Präsident der Österreichisch-Rumänischen Gesellschaft und seinem Ausscheiden aus dem Vorstand wird Dr. Rainer Seele, Generaldirektor der OMV Aktiengesellschaft, am 30. Oktober 2015 vom Vorstand als neuer Präsident und damit Vorstandsmitglied kooptiert; ein um weitere Kooptierungen erneuerter Vorstand garantiert die erfolgreiche Fortsetzung der breiten und engagierten Vereinstätigkeiten.

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